Wiener Kunsthistoriker: “Muhammed-Bilder ein Teil der muslimischen Geschichte”

Die Entlassung einer Kunsthistorikerin wird in den USA derzeit heftig diskutiert. Für den Kunsthistoriker Markus Ritter haben die Bilder des Propheten eine lange Tradition.

KRONOS 25 Ocak 2023 DE

Foto: Univeristät Wien

Im Oktober hatte die US-amerikanische Kunsthistorikerin Erika Lopez Prater eine Zeichnung von Mohammed aus dem 14. Jahrhundert gezeigt. Die Zeichnung stammt aus der “Sammlung von Chroniken”, einem der ältesten mit Illustrationen erhaltenen islamischen Geschichtsbücher. Nach der Beschwerde einer muslimischen Studentin erklärte die Hamline Universität, eine kleine Privatuniversität in St. Paul in Minnesota, dass man Praters Dienste im nächsten Semester nicht mehr brauche. Die ganze Debatte kann Ritter zufolge wohl nur mit Blick auf den US-amerikanischen Kontext verstanden werden.

Die Reaktion der Universitätsleitung der Hamline Universität sei überraschend. “Das Tragische ist, dass ausgerechnet dieser konservativen Position der Vorzug gegeben und eine Debatte darüber unterbunden wurde”, erklärt der Kunsthistoriker Markus Ritter von der Universität Wien gegenüber religion.ORF.at. Auch weil das eigentlich gegen die durch die Religionsfreiheit garantierte Vielfalt der Positionen gehe, die es auch innerhalb des Islams gibt.

“In persisch- und teils türkischsprachigen Regionen hat die Bildkunst historisch einen erheblich größeren Stellenwert, als das über weite Strecken in arabischsprachigen Regionen der Fall war”, so Ritter. In seinen eigenen Lehrveranstaltungen hätte Ritter ähnliche Diskussionen bisher nicht erlebt. Den Vorfall in den USA habe er aber mit seinen Studierenden besprochen. Es sei wichtig, Debatten Raum zu geben. Auch sei er offen für Anfragen. Derartige historische Bilder im universitären Kontext nicht zu zeigen, findet Ritter jedoch falsch: “Solche Bilder sind von Muslimen für Muslime gemacht worden, sie sind Teil der muslimischen Geschichte.”

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