Von Russland geführtes Verteidigungsbündnis: Armenien fühlt sich alleingelassen

Das von Russland geführte Verteidigungsbündnis OVKS tagt in Armenien, Putin kommt zu Besuch. Doch er wird eher zähneknirschend empfangen - Armenien fühlt sich vom Bündnis im Konflikt mit Aserbaidschan alleingelassen.

KRONOS 23 Kasım 2022 DE

Foto: Depo Photos

Ginge es nach dem Willen vieler Menschen in Armenien, dann fände der Gipfel des von Russland geführten Verteidigungsbündnisses OVKS nicht in der armenischen Hauptstadt Jerewan statt. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin wird nicht mit überschwänglicher Freude, sondern eher zähneknirschend empfangen. Zu sehr fühlt man sich in der kleinen Südkaukasusrepublik zwischen der Türkei im Westen und Aserbaidschan im Osten in Zeiten der Not alleingelassen, wenn nicht betrogen, wie Silvia Stöber von Tagesschau berichtet.

Wie die NATO verfügt die OVKS (Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit) über Klauseln zum gemeinsamen Beistand. Als sich Armenien jedoch im Frühjahr 2021 und erneut im September aserbaidschanischer Angriffe auf sein Territorium ausgesetzt sah, rief die OVKS nicht den Bündnisfall aus. Sie beließ es bei symbolischen Handlungen. Obwohl Aserbaidschan nicht zur Organisation gehört, ist es den anderen OVKS-Staaten näher und wichtiger – mit seinen Transportrouten, seinen Gas- und Ölvorkommen.
Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew höhnte gar, dass sein Land “trotz der Tatsache, dass es kein OVKS-Mitglied ist, mehr Freunde in dieser Organsiation hat als Armenien”. Paschinjan habe es nicht geschafft, die OVKS-Staaten gegen Aserbaidschan aufzubringen.

Russland ist Schutzmacht

Dabei ist Russland per Vertrag militärische Schutzmacht Armeniens und betreibt dort zwei Militärbasen. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB patrouilliert an der armenischen Grenze zur Türkei, zum Iran und zu Aserbaidschan.

Im Dezember 2020 war es Russland noch gelungen, einen bereits 44 Tage währenden Krieg Armeniens und Aserbaidschans um Bergkarabach zu stoppen. Damals standen die aserbaidschanischen Truppen davor, das gesamte Konfliktgebiet auf seinem Territorium einzunehmen. Die dort lebenden Armenier hätten fliehen müssen.

Beim Gipfel in Jerewan sollten die OVKS-Staaten und auch Putin kein Anbiedern Armeniens erwarten. So deuten Kommentatoren in Armenien offene Kritik Paschinjans in der vergangenen Woche. Paschinjan weiß um die Stimmung in großen Teilen der Bevölkerung, die sich nichts mehr vormachen lassen wollen in Zeiten, in denen es um das Überleben geht.

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