Russland liefert kein Gas mehr nach Italien – Moldau bekommt weniger

Der russische Staatskonzern Gazprom dreht Europa immer weiter den Gashahn ab. Diesmal trifft es Italien und Moldau. Bulgarien macht sich unterdessen ein Stück weit unabhängiger von Lieferungen aus Russland.

KRONOS 03 Ekim 2022 DE

Das Gazprom-Logo ist an einer Niederlassung des russischen Staatskonzerns in St. Petersburg zu sehen. Foto: Igor Russak/dpa

Russland hat seine Gaslieferungen an Italien vorerst eingestellt. Der russische Konzern Gazprom habe mitgeteilt, dass er kein Gas mehr durch Österreich liefern könne, teilte der italienische Versorger Eni am Wochenende mit. Das russische Gas kommt normalerweise an dem italienisch-österreichischen Grenzort Tarvisio in Italien an und wird von dort verteilt. Eni-Chef Claudio Descalzi sagte am Montag, er glaube an eine baldige Lösung des Problems.

Gazprom habe notwendige Verträge nicht unterzeichnet, teilte das österreichische Klimaschutz- und Energieministerium in Wien mit. Es geht demnach um technischen Anpassungen im Marktmodell, die jeden Oktober zu Beginn des Gaswirtschaftsjahres in Kraft treten und zuvor vertraglich vereinbart werden müssen. Deshalb seien die notwendigen Anmeldungen für den Transport von russischem Gas nach Italien von österreichischer Seite nicht angenommen worden, hieß es.

Auch Österreich im Visier

Gazprom wiederum machte im Nachrichtendienst Telegram Österreich für die Ablehnung der sogenannten Transportnominierungen verantwortlich. “Gazprom arbeitet gemeinsam mit den italienischen Käufern an der Lösung des Problems”, hieß es.

Eni-Chef Descalzi berichtete, dass Gazprom wegen neuer Bestimmungen keine Garantiezahlungen an den österreichischen Transporteur tätigen könne. Der teilstaatliche, italienische Konzern wolle nun die geforderten 20 Millionen Euro aufbringen. Dann solle “innerhalb der Woche” wieder Gas durch Österreich nach Italien fließen, sagte der Eni-Vorstandschef laut den Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos.

Österreich selbst erhalte weiterhin russisches Gas, bestätigten das österreichische Klimaschutzministerium und die Austrian Gas Grid Management AG, die die Gasflüsse in Österreich steuert.

Fast die Hälfte aus Russland

Italien hatte bis zum Ausbruch des Krieges in der Ukraine rund 40 Prozent seines Gases aus Russland erhalten. Dann schlossen die Regierung in Rom und der teilstaatliche Konzern Eni mit etlichen anderen Ländern – etwa Algerien – Abkommen ab, um die Abhängigkeit von Moskau zu minimieren. In den vergangenen Monaten hieß es, Italien bekomme nur noch rund 25 Prozent seines Gases aus Russland. In den vergangenen Tagen waren die Liefermengen stark zurückgegangen.

Russland hat am Wochenende zudem die Gaslieferungen in die zwischen Rumänien und der Ukraine liegende ehemalige Sowjetrepublik Moldau gedrosselt und deren völlige Einstellung angedroht. Gazprom machte für die Absenkung auf seinem Telegram-Kanal die Ukraine verantwortlich, die sich weigere, “russisches Gas über die Verteilerstation Sochranowka zu leiten.” Zudem verwies das Unternehmen auf offene Gasschulden Moldaus. Nach Gazprom-Angaben liegt die tägliche Liefermenge nun bei 5,7 Millionen Kubikmeter. Die einen EU-Beitritt anstrebende Republik Moldau hat 8,06 Millionen Kubikmeter täglich geordert.

Neue Pipeline über die Türkei

Unterdessen hat eine für die Unabhängigkeit der EU von Russlands Erdgas wichtige Pipeline zwischen Bulgarien und Griechenland den Betrieb aufgenommen. Die Pipeline wurde am Wochenende im Beisein von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der bulgarischen Hauptstadt Sofia eingeweiht. Die 182 Kilometer lange Gas-Pipeline zwischen der nordgriechischen Stadt Komotini und dem mittelbulgarischen Stara Sagora hat eine Kapazität von drei bis fünf Milliarden Kubikmetern Gas im Jahr. Sie bindet Bulgarien an die Trans Adria Pipeline (Tap) an. Diese leitet Erdgas von Aserbaidschan über die Türkei nach Griechenland und weiter nach Italien.

Der gesamte Gasverbrauch Bulgariens könnte dank der neuen Verbindung gedeckt werden, unterstrich von der Leyen. Sie erinnerte daran, dass vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine das EU-Land fast völlig vom russischen Erdgas abhängig gewesen war. Dank der Inbetriebnahme der neuen Pipeline und der bereits angelaufenen Gaslieferungen fiel der Gas-Preis in Bulgarien für Oktober prompt um ein Drittel auf 233,36 Lewa (rund 120 Euro) für eine Megawattstunde.

dpa

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