Iran meldet Raketenangriffe auf Kurden-Stützpunkte in Nordirak

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben erneut Stützpunkte kurdischer Separatistengruppen im benachbarten Nordirak angegriffen.

KRONOS 04 Ekim 2022 DE

Teheran: Ebrahim Raisi (M), Präsident des Iran, wird von einer Gruppe von Abgeordneten umringt, nachdem er den von ihm vorgeschlagenen Arbeitsminister bei einer Vertrauensabstimmung im Parlament verteidigt hat. Foto: Vahid Salemi/AP/dpa

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim haben die Revolutionsgarden bei den Angriffen am Dienstag – die fünften innerhalb von elf Tagen – Raketen und Drohnen eingesetzt. Die Revolutionsgarden rechtfertigten die Angriffe erneut als “legitime Reaktion” auf Angriffe kurdischer Terrorgruppen auf iranische Militärbasen im Grenzgebiet.

Der Iran hatte zuvor einigen kurdischen Gruppen vorgeworfen, an den regierungskritischen Protesten der vergangenen Tage im Iran beteiligt gewesen zu sein, auch mit Waffenlieferungen an Demonstranten.

Ex-Nationalspieler Karimi droht Festnahme im Iran

Die iranische Justiz hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr Anklage gegen den früheren Fußball-Nationalspieler Ali Karimi erhoben. Wegen “Solidarität mit dem Feind” und des Vorwurfs der Anstiftung zu Unruhen wurde seitens der Justiz Strafverfolgung gegen Karimi beantragt, so der Mehr-Bericht. Die iranische Justizbehörde selbst hat den Bericht nicht bestätigt.

Karimi soll sich derzeit beruflich in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhalten. Der ehemalige Bundesliga-Profi des FC Bayern München und des FC Schalke 04 hatte sich gleich am Anfang mit den Protesten solidarisiert. Dafür erhielt er Zuspruch vieler Iranerinnen und Iraner, die gegen den Tod einer jungen Frau im Polizeigewahrsam auf die Straßen gegangen waren.

Der 43-Jährige gehört zu den beliebtesten Spielern in der iranischen Fußballgeschichte und wird von seinen Fans als “Asiens Maradona” verehrt. Seine mögliche Festnahme könnte zu noch mehr Protesten führen.

Bekannter Protestsänger im Iran kommt auf Kaution frei 

Der im Zusammenhang mit den systemkritischen Protesten festgenommene Sänger Scherwin Hadschipur ist gegen Kaution freigelassen worden. Das gab die Stadt Sari im Nordiran am Dienstag bekannt. Sein Fall werde jedoch weiterhin bis zu seinem Gerichtstermin untersucht, erklärte die Staatsanwaltschaft der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA zufolge. Hadschipur war vergangene Woche vom Geheimdienst festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, mit dem Lied “Baraye” (“Für”) die Proteste im Land unterstützt und Jugendliche zu Unruhen angestiftet zu haben. Demonstranten hatten zuletzt seine sofortige Freilassung gefordert.

Der Song “Baraye” erfuhr im Iran große Aufmerksamkeit und machte den 25-jährigen Sänger über Nacht landesweit bekannt. In seinem Lied fasste er die Forderungen der hauptsächlich jungen Demonstranten musikalisch zusammen. “Für die Sehnsucht nach einem normalen Leben, für Tanzen auf den Straßen, für Küssen ohne Angst, für die verrosteten Köpfe”, lauten Teile des sozialkritischen Songs. Nach seiner Verhaftung letzte Woche wurde das Lied bei allen Demonstrationen und Versammlungen entweder gesungen oder gespielt. Es ist in der Zwischenzeit quasi zur Protest-Hymne des Landes geworden.

dpa

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