Erdoğan zieht Treffen mit Assad in Betracht: Hat Syriens Machthaber abgelehnt?

Wenige Tage nach Beginn einer Luftoffensive gegen kurdische Milizen zieht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ein Treffen mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Betracht.

KRONOS 24 Kasım 2022 DE

Foto: Depo Photos

“Ein Treffen mit Assad ist möglich. In der Politik gibt es keinen Groll und keine Verbitterung”, sagte Erdoğan am Mittwoch nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur. Bereits im August hatte er sich für eine Aussöhnung zwischen der syrischen Opposition und den Anhängern von Machthaber Assad ausgesprochen – was von vielen als Kehrtwende in Erdoğans Haltung zu Assad gesehen wurde.

Kurz nach Erdoğans Aussagen berichtete Associated Press, dass der türkische Präsident dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad angeboten haben, Beamte nach Damaskus zu schicken. Doch Assad habe das Angebot abgelehnt. Assad habe vorgeschlagen, das Treffen in einem Drittland abzuhalten. Das Angebot soll ein libanesischer Politiker überbracht haben.

Die Türkei hatte unter Erdoğan die diplomatischen Beziehungen zu Damaskus aufgekündigt. Nach mehr als elf Jahren Bürgerkrieg kontrollieren die Anhänger von Assad wieder rund zwei Drittel des Landes. Der Machthaber wird unter anderem von Russland und dem Iran unterstützt.

“Sicherheitslinie”

Auf eine Entspannung in Nordsyrien ließ Erdoğan hingegen nicht hoffen. Die Türkei sei entschlossener denn je, ihre komplette Südgrenze, mit einer “Sicherheitslinie” für Angriffe zu schließen. Die Idee ist nicht neu. Bereits bei einem Militäreinsatz gegen die die syrische Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien 2019 wollte die Türkei entlang ihrer Grenze eine Zone schaffen, aus der sich alle Kurdenmilizen zurückziehen sollen. Aus Sicht der Türkei soll sich diese rund 30 Kilometer tiefe Zone vom Euphrat-Fluss aus ostwärts über mehr als 400 Kilometer bis an die irakische Grenze erstrecken.

“Die Operationen, die wir mit unseren Flugzeugen, Kanonen und bewaffneten Drohnen führen, sind erst der Anfang”, sagte Erdoğan am Mittwoch bei einer Rede vor Parteimitgliedern. An dem “günstigsten Zeitpunkt” wolle man auch auf dem Boden “den Terroristen auf die Pelle rücken”. Erdoğan hatte bereits zuvor die Möglichkeit einer Bodenoffensive gegen kurdische Stellungen in Betracht gezogen.

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